Zehnkampf - Interview
Ashton Eaton: „Ich versuche Gold zu holen“
VideoVideo Eaton-Interview
VideoRückblick: Eaton im sportstudio
Heute gehen in London die Zehnkämpfer an den Start. Im Interview im Rahmen des Marburger Mehrkampf-Meetings Ende Juli sprach Weltrekordler Ashton Eaton (USA) mit ZDF-Reporter Wolf-Dieter Poschmann über seine Rolle als Topfavorit und das Thema Nervosität.ZDFsport.de: Sie fahren das erste Mal als Topfavorit zu den Olympischen Spielen. Macht das einen Unterschied für Sie?Eaton: Das erste Mal bin ich nach Daegu als Topfavorit angereist, vielleicht nicht als der absolute Topfavorit. In jedem Falle habe ich mit dem Gewinn der Silbermedaille wertvolle Erfahrungen gesammelt. Aber ich glaube nicht, dass diese für London so ausschlaggebend sind. Denn ich kenne meine Konkurrenten und habe mich über Jahre auf internationalem Niveau gemessen. Ich bin super drauf.ZDFsport.de: Was haben Sie in Daegu gelernt?Eaton: Ich habe gelernt, nicht zu sehr gegen mich selbst zu kämpfen, sondern mich mit meinen Konkurrenten zu messen. ZDFsport.de: Die zwei ersten Disziplinen, der 100-Meterlauf und der Weitsprung, sind Ihre stärksten. Geben diese Ihnen Sicherheit für die zwei Tage?Eaton: Es ist eine Sicherheit, aber nicht nur wegen der Punkte, sondern vor allem psychologisch gesehen. Das ist wie mit einem Schneeball, der den Berg auf dem richtigen Weg hinunter rollt. Wenn die 100 Meter und der Weitsprung gut laufen, dann kannst du viel entspannter sein. ZDFsport.de: Ich habe Sie in Daegu live im Stadion gesehen und auch die anderen deutschen Journalisten sagen: Sie sehen entspannt und cool aus. Ist das nur Schein?Eaton: Sicher bin ich nervös, wie jeder andere auch. Aber jeder geht damit anders um. Manche sprechen viel, manche behalten es für sich und manche tun irgendetwas anderes. ZDFsport.de: Ist Ihre nach außen hin abgeklärt wirkende Art eine bewusst eingesetzte Strategie?Eaton: Es ist keine Strategie – ich bin einfach so. ZDFsport.de: Sie haben Psychologie studiert. Hilft Ihnen das für den Wettkampf?Eaton: Nichts davon hilft, weil ich nicht viel gelernt habe. Ich habe einfach nicht genug aufgepasst (lacht). Aber jeder hat seine eigenen Methoden mit Stress, Druck, Wettkämpfen, Medien, Menschen oder was auch immer umzugehen. Vielleicht sind meine Methoden gut für mich, aber nicht gut für andere. Manchmal gucke ich auch auf andere Menschen und schaue mir Methoden ab. ZDFsport.de: Sie haben den anderen Reportern erzählt, dass die zwei Tage des Zehnkampfes wie das ganze Leben sind. Wie kann man das vergleichen?Eaton: Im Leben ist nie alles perfekt - im Zehnkampf auch nicht. Im Leben musst du über sehr viele Dinge nachdenken und du musst an vielen Dingen arbeiten. Im Zehnkampf ist das genauso. Das Leben und der Zehnkampf sind sich schon sehr ähnlich, auch wenn ich noch nicht mein ganzes Leben gelebt habe. ZDFsport.de: Bereitet der Zehnkampf Sie gut darauf vor, was nach dem Leistungssport kommt?Eaton: Ich denke ja. Im Zehnkampf darfst du nicht aufgeben. Du musst immer weitermachen, versuchen es besser zu machen. Im Leben ist das genauso, sonst würdest du dich nicht befriedigt oder erfolgreich fühlen. ZDFsport.de: Wie sind Ihre Chancen in London? Wird es Gold? Alle erwarten es.Eaton: Ich weiß, dass es alle erwarten und ich erwarte es auch. Wenn ich sagen würde, ich erwarte weniger, wäre das nicht die richtige Antwort. Ich versuche die Goldmedaille zu holen.Das Gespräch führte Wolf-Dieter Poschmann
08.08.2012



